
Am nächsten Morgen bin ich krank. Es fühlt sich nicht so an, als könnte ich weiter reisen. Zum Frühstück schaffe ich wie schon am Vortag nur ein bisschen Melone, gehe dann wieder schlafen. Gegen meine Kopfschmerzen eine Aspirin, die anderen drei packen unser Zeug, ich setze mich hinten ins Auto und hoffe auf Besserung. Erster Stop Campingladen. Ein gigantisches Ausmaß an Laden, jetzt macht Berger keinen Spaß mehr. Wir erstehen mit Pakistani-Englisch, viel Suchen, Aufwand und Überlegen eine Gasflasche, einen Druckminderer, eine Kühlbox, die mit Icecubes funktioniert - hätten wir doch unsere eigene aus den USA mitbringen können, jetzt haben wir eine deutsche Dometicbox - einen Sack Holz und ein Feuernetz, weil man in Saudi kein Lagerfeuer auf dem Boden machen darf. Warum? Keine Ahnung.
Wie all das ins Auto passen soll, ist ein Rätsel und trotzdem ist alles drin. Lasse und mich trennt auf der Rückbank nun die quadratische Kühlbox.
Nächster Stop Supermarkt. Ich bleibe im Auto, die anderen erledigen den ersten Großeinkauf. Nun können Lasse und ich uns nicht mehr sehen, die Fresskiste steht auf der Kühlbox und bei jedem Bumper müssen wir sie festhalten, Liska hat die fette Wassermelone auf dem Schoß, der Rest geht in irgendwelche Lücken.
Tanken und on the road. Ewig durch Riyadh, das nicht attraktiv wirkt. Dasselbe Phänomen wie im Oman, die trockene, karge, vermüllte Landschaft wirkt zwischen der ganzen Bebauung immer wie eine Baustelle und hat auch ungefähr denselben Charme. Da die Häuser auch noch Ton in Ton aus Sandstein gebaut sind, ist alles extrem eintönig und trist.
Der Übergang in die Wüste erfolgt nahtlos, die Häuser verschwinden, die Tristesse bleibt. Zwei Asphaltbänder je zweispurig durchziehen die Wüste, 15 Meter voneinander getrennt. Für einen U-Turn fährt man einfach über den Mittelstreifen, auch wenn GoogleMaps immer mehrere hundert Kilometer geradeaus fahren will bis zur nächsten offiziellen Umkehrmöglichkeit.
Nach deutlich weniger als ursprünglich geplanten Kilometern suchen wir uns im Nirgendwo zwischen kleinen Sanddünen einen ersten Übernachtungsplatz im Zelt. Lasse besteigt erstmal den höchsten Punkt, Liska erfreut sich barfuß am Sand, die Zelte stehen, wir wollen kochen - und stellen fest, der Kocher brennt nicht vernünftig. Nach intensiver Analyse wissen wir, bei uns ist Propan in den Flaschen, hier ist es LPG, unser Kocher kann beides, aber unser für diese Flasche neu gekaufter und an unseren Schlauch angebrachter Druckminderer kann nicht den richtigen Druck. Wir kennen nun zwar das Problem, haben mehrere Möglichkeiten zur Lösung, nur keine Chance, auch nur eine umzusetzen. Die Küche bleibt kalt. Rohkost, Fladenbrot, Käse, Schokoschnecken.
Es wird schnell kalt, das Lagerfeuer wärmt uns noch ein bisschen, aber um 19 Uhr krabbeln wir ins Zelt.
