Glück eines falschen Druckminderers

German family together with arabic kids
German family together with arabic kids

Nach eisiger Wüstennacht ist das Frühstück ohne Kaffe oder Tee bitter. In der nächsten Stadt fahren wir zu dem Café, das die beste Bewertung hat, ein kleiner netter Laden mit guter Kaffeemaschine, wir nehmen drei Cappuccini. Die nach uns kommende Araberin hat verschmitzt blitzende Augen und irgendwie Spaß an uns. Als wir gehen, gibt sie uns ein freundliches "nice to meet you" mit.

Danach Mission Druckminderer. Der Pakistani an der Tankstelle kann kaum glauben, dass sein Sortiment nicht das richtige hat, schickt uns mit drei Angaben irgendwohin, dort fragen wir erneut, werden trotz des sich bei uns befindlichen Anschauungsmaterial kaum verstanden und irgendwo anders hin geschickt. Auf dem Weg zurück zum Auto beschließen wir, den Araber, der am Straßenrand in seinem Auto sitzt zu fragen, in der Hoffnung, dass er mehr Englisch spricht. Und damit beginnt die Geschichte des Tages, die wir niemals erlebt hätten, wenn wir den richtigen Druckminderer gehabt und warm gegessen und Kaffe gekocht hätten.


Der Araber spricht kein Englisch, ist aber super hilfsbereit, versteht anhand des Ansichtsexemplares offensichtlich, was wir brauchen. Ruft jemanden an, der Englisch kann und lässt diese Person über sein Handy übersetzen. Schließlich gibt er uns zu verstehen, wir sollen ihm folgen. Mein erster Gedanke: "Vier deutsche Touristen in Saudi entführt" - aber was bleibt uns übrig, wir fahren hinter ihm her und haben keinen Plan, wohin. Er hält vor einem Laden, geht hinein, wir folgen und befinden uns im nächsten Campingparadies. In kürzester Zeit finden wir den richtigen Druckminderer, stöbern noch einen Moment und ich kaufe einen Teppich. Als wir den Laden verlassen, wartet dort schon unser Araber. Wir bedanken uns und wollen uns trennen, er telefoniert schon wieder mit der Person, die Englisch spricht. Schließlich telefoniert Hans mit dieser Person, die uns einlädt in ein Reservat, wo wir Tiere anschauen können, die in Saudi leben. Wir bekämen eine VIP Tour, Dauer etwa eine Stunde. Es stellt sich raus, er ist der Neffe unseres Arabers und unser Araber ist eine famous person. Einladungen hier darf man nicht ablehnen und cool klingt es auch. Also fahren wir wieder hinter unserem Araber her und warten erneut auf unsere Entführung. Aber nein - wir fahren zu diesem Reservat, was sich als gigantisch angelegter Park oder Spielplatz oder Ausflugsort herausstellt, riesige Rasen(!!!)Flächen mit Picknickbereichen, riesige Felsen, ein Wasserfall und diverse viel zu kleine Gehege für Gazellen, Rehe, eine arme Oryx-Antilope, Emus, Maras, Meerschweinchen. Unser Araber zeigt uns alles, die Erklärung kommt vom Englisch sprechenden Neffen via Handy. Völlig kurios, denn der muss ja immer erst hören, wo wir gerade sind. Schulkinder sind auch in großer Gruppe dort und für die sind wir die Hauptattraktion. Sie bestaunen uns, winken uns neugierig zu, grüßen mit "Hello!" und irgendwann gibt es gemeinsame Fotos.

Immer wenn uns etwas Konkretes gezeigt werden soll, taucht irgendwo ein pakistanischer Mitarbeiter auf, der herbei geschnippt wurde. Überall ist Fotoshooting. Und irgendwann verstehen wir, unser Araber ist ein bekannter SnapChatInfluencer. Und er oder sein Neffe oder beide kennen den Besitzer dieses Reservats. Dann die Einladung zum Lunch. Man setzt uns an einen Tisch, ein paar Minuten später in ein Beduinenzelt mit Aussicht auf eine grüne Blumenwiese, skurril in dieser Gegend, irgendwann kommt ein Pakistani und entzündet in einer Feuerschale ein Feuer und bringt Wasserflaschen. Wir fragen uns, welches der Tiere jetzt gegrillt werden wird. In unseren Köpfen arbeitet es weiter - sind Saudis Kannibalen? Was passiert hier? Nach einer chilligen Zeit im Zelt werden wir wieder abgeholt und an den Tisch gesetzt. Es gibt arabischen Kaffee mit Datteln und Rehbesuch. Dann werden wir umgezogen auf eine arabische Sitzfläche am Boden und unser Essen kommt - vom Lieferdienst. Verschiedene eher herzhafte und nicht ganz definierbare Gerichte, viel Brot finden auf einer Plastikplane, die den schönen Teppich schützt, Platz, Salat, geschnittene Zwiebeln und Zitronenstücke werden einfach hingeschüttet. Dazu stilvoll arabischen Tee - und ein vermutlicher Freund unseres Arabers, der gut Englisch spricht, taucht auch noch auf. Sie lassen uns mit all dem Essen, das für weit mehr Menschen gereicht hätte, allein, nachdem sie uns erklärt haben, das sei ein typisches arabisches breakfast. Wenn wir fertig sind, will uns der Freund noch in ein traditional arabic house einladen - zu sich. Oh Gott, wie soll das enden?

Das Essen schmeckt super lecker, wir haben Spaß ohne Ende und längst beschlossen, wir feiern die Feste, wie sie fallen und leben den Augenblick. Auf all das zu verzichten, weil wir einen Plan haben, wann wir wo sein wollen, wäre bescheuert. Wir wollen das Land und seine Menschen kennenlernen, keine Reiseroute abfrühstücken. Also bleiben wir entspannt.

Gemeinsam mit unserem Araber und seinem Freund, der inzwischen seinen Sohn geholt hat, verlassen wir das Reservat. Der Freund fragt Lasse, ob er bei ihm mitfahren wolle. Lasse ist angesichts all der Freundlichkeit und Gastfreundschaft sofort bereit, lässt sich aber geistesgegenwärtig noch mein Handy geben, das nutzbar wäre. Mein Kind im fremden Saudi Arabien steigt allein in das Auto fremder Menschen ... aber wir kommen alle an am traditional arabic house which is the house of his great aunt who passed bye.

Wir betreten den großen Lehmbau durch eine niedrige Seitentür und kommen in einen super gemütlichen Innenhof, der hoch umgeben ist von Schatten spendenden Mauern. In einer Ecke - ausgerichtet in Richtung tiefstehender Wintersonne - ist eine arabische Sitzecke auf dem Boden eingerichtet where the great aunt decorated herself. Eine steile Steintreppe führt krumm und schief aufs Flachdach, aber Hans und der Freund müssen unten bleiben, weil sie zu schwer sind, wir anderen dürfen hinauf, sollen aber nicht alle an der gleichen Stelle stehen, sondern unser Gewicht verteilen.

Bald kommt auch unser Araber mit einem riesigen Tetrapack Kaffee, Bechern und kleinen Gebäckstücken aus dem Café, wo unser Morgen begonnen hatte. Ein weiterer fremder Mann, der irgendetwas explored hat, ist auch da, trinkt mit uns Kaffee und wir fürchten ein bisschen, dass er der Nächste ist, der uns irgendwohin einlädt. Aber wir sollen nur später zurück zu dem Café fahren, nebenan sei eine Parfümerie, die einem Freund gehöre. Dort bekämen wir ein Geschenk. Spoiler: da sind wir nicht mehr hingefahren.

Wir probieren widerlich getrockneten und mit Mehl vermischten Feta, was tatsächlich einfach trocken, staubig, salzig, einfach unessbar ist und heimlich in meiner Bauchtasche verschwindet.

Wir trinken gemeinsam Kaffee, der auch nur so semi schmeckt und irgendwann fragt der Freund in überraschender Offenheit, how can you drink that? I hate it.


Das Treffen kommt zu einem Ende, aber bevor wir gehen dürfen, braucht der Araber neben weiteren 100 Fotos noch ein Interview mit "only Hans". Hans bedankt sich noch mehrfach für die überragende Gastfreundschaft, wir verabschieden uns mehrfach und schaffen es endlich, wegzukommen - ohne weitere Einladung.

Damit sie es sich nicht anders überlegen können, fahren wir auch sofort los und testen erst ein paar Straßen weiter direkt vor einer Moschee endlich unseren Kocher mit dem neuen Druckminderer - und siehe da, eine schöne gleichmäßige Flamme.


Noch viele Kilometer freuen wir uns über diesen außergewöhnlichen Tag und überlegen uns, immer wenn wir Hunger haben, einfach irgendeinen Saudi irgendetwas zu fragen und alles Weitere einfach geschehen zu lassen.


Viele Kilometer haben wir nicht geschafft und das nehmen wir voller Gelassenheit sehr gern einfach so hin.


arabic breakfast
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