Viele Kilometer nach Süden

Unser Camp in der Rub Al Khali
Unser Camp in der Rub Al Khali

Heute ist Fahrtag und Lasse ist krank. Gedanken an die BlinddarmOP in Südamerika werden wach und auch heute hilft und unterstützt Sven Hower, dem wir erneut sehr dankbar sind, auch wenn wir davon ausgehen, dass sich kein ähnliches Drama ereignen wird.

Wir folgen mehrere Stunden dem Asphaltband durch die Wüste, Tanken irgendwann verbunden mit Einkauf von neuem Eis und ein paar Snacks und Ausprobieren, was unser Auto eigentlich auf Sand kann. Immerhin wissen wir inzwischen, dass wir zwei Abschleppösen und ein vollwertiges Ersatzrad haben. Im 90°Winkel vom Asphaltband rechts abgebogen und anschließend direkt von der Polizei angehalten worden. Ob er uns helfen oder ermahnen wollte, wissen wir nicht so richtig. Dank fehlender gemeinsamer Sprache schickt er uns achselzuckend weiter.

Wir erreichen Al Faw, eine archäologische Stätte einer alten Karawanenstadt. Nach dem gescheiterten Versuch, jemanden in den Häusern, die wie ein Besucherzentrum wirken, zu finden, fahren wir einfach Richtung alter Karawanenstadt, kommen aber nicht weit, weil ein Security-Araber hinter uns her gebrettert kommt, uns anhält, super freundlich wird, als er uns sieht und uns mit Händen und Füßen erklärt, dass wir nicht weiter fahren dürfen und die Stadt (derzeit) nicht besucht werden kann. Gleichzeitig ist er so begeistert von uns, dass er uns unbedingt zum Essen einladen will und alles irgendwie auf Arabisch in seine Sprachenapp labert und Hans immer die Übersetzung vor das Gesicht hält. Es dauert ewig, ohne dass etwas Brauchbares passiert. Wir wollen nicht essen, aber Tee oder Kaffee würden wir gern nehmen, Hans ist so was von dankbar und polite... Irgendwann zeigt die Übersetzung die Frage, ob wir drinnen unseren Kaffee zubereiten wollen, sie hätten keinen. Am Ende verabschieden wir uns ohne gemeinsame Mahlzeit und sind ganz froh, einfach weiterfahren zu können.

Die Wüste verändert sich, sieht links anders aus als rechts, links Tafelberge und die Farben eher rot und grün, rechts endlose weite und eher gelb, vereinzelte hohe Berge am Horizont.

Wir erreichen das Naturschutzgebiet Uruuq Bani Ma'arid und fahren den Overlanderkoordinaten folgend zur Rangerstation. 300 Meter vorher werden wir von einem Araber quasi entgegengenommen und eskortiert zur Station gebracht. Freuen sie sich so sehr über die einzigen Touristen? Des Tages? Der Woche? Des Monats? Welches Ausmaß der Tourismus hier in wenigen Jahren haben wird, lässt sich erahnen. Ein riesiges, schickes Besucherzentrum ist im Entstehen, die Anzahl der schon heute hier in einer Reihe stehenden Geländewagen, die Touristen in die Wüste fahren, macht Angst. Heute sind wir hier allein und freuen uns. Eine sehr gut Englisch sprechende Araberin fragt uns, ob wir eine permit hätten. Haben wir nicht, wussten, dass man eine braucht, fragen unschuldig, ob wir sie hier bekommen können, ein winziges Zögern und dann eine Zustimmung. Sie erledigt mit unseren Pässen und Visa den Formalkram, damit ist klar, wir dürfen dort campen und eine kostenlose Tour bekommen wir auch.

Die planen wir aber für den nächsten Morgen, Lasse kann nicht mehr und wir alle sind froh, erstmal anzukommen. Einer der Tourguides bringt uns zu unserem Stellplatz am Rande der Dünen - wunderschön. Im Abendlicht leuchten sie rot, ihre Formen magisch, eine ganz eigene Stille liegt hier über der Welt. Auch dieser Abend klingt am Lagerfeuer und unter fantastischem Sternenhimmel aus.