Wüstentour und Weihnachten

Weihnachtsfrühstück
Weihnachtsfrühstück

Morgens um 6.45 Uhr den ersten richtig leckeren Campingkaffee und keine weiteren Rätsel. Lasse geht es zum Glück schon besser. Unser Guide holt uns ab und unsere kostenlose Wüstentour startet. Ein Traum! Über Sand zu fahren ist so leise, fast wie schweben. Die Dünen so ästhetisch, die Farben am frühen Morgen kräftig und niemand außer uns irgendwo zu sehen. Echt schade, dass unser Auto das diesmal nicht hergibt. Deswegen freuen wir uns umso mehr über diese Möglichkeit, für die wir vermutlich nie bereit gewesen wären, den Preis zu zahlen, den es in einigen Jahren kosten wird. Plötzlich sehen wir Gazellenspuren, dann in großer Entfernung eine Gruppe Gazellen und dann zweimal ganz nah jeweils eine, die lustig durch den Sand springen und rennen. Die Rub Al Khali liegt hier auf einem Hochplateau mit einer krassen Kante zur untenliegenden Wüste. Von der Klippe aus haben wir eine fantastische Sicht in die trockene Unendlichkeit.

Wir fahren kreuz und quer, bis wir alle die Orientierung verloren haben und nach etwas mehr als einer Stunde sind wir zurück an unseren Zelten, wo wir glücklich frühstücken und uns immer wieder bewusst machen, dass heute Weihnachten ist.

Während wir abbauen, kommt noch ein Offizieller des Parks und möchte ein paar Fotos mit uns vor dem noch aufgebauten Zelt machen - für Werbezwecke. Vermutlich zieren wir in ein paar Jahren jeden Flyer und jeden Internetauftritt.

Wir fahren weiter nach Süden, die Wüste ändert sich mehrfach, wir sehen zahlreiche Kamele und erreichen irgendwann Najran, das schon sehr nah an der Grenze zum Jemen liegt. Von einer Reise in das Grenzgebiet wird immer noch dringend abgeraten, aber die Straße führt nunmal da lang. Im Reiseführer steht, dass sich zwar manchmal eine Rakete Richtung Najran verirre, aber das saudische Militär über so gute Abwehr verfüge, dass man meist nur einen Knall höre. Wir finden ein nettes Restaurant, wo wir sehr lecker für 45 Euro für alle zusammen essen und es als unser Weihnachtsessen deklarieren. Im Hypermarché kaufen wir ein paar Sachen nach und schon im Eingang wird Liska von drei Arabarinnen gefeiert und bequiekt, ob wegen ihrer Haarfarbe oder ihrer Freizügigkeit in langärmeliger Bluse und langbeiniger weiter Hose, nur halt ohne verschleierten Kopf. Auch im Supermarkt werden wir immer wieder wie Außerirdische angeschaut. Hinter Nadjran beginnen die Berge und wir fahren auf 2000 Meter rauf, wo wir einen Overlander-Stellplatz aufsuchen, mit den Füßen unter Bäumen die ganzen Steine wegscharren, bis wir Platz für zwei Zelte haben. Obwohl wir entschieden hatten, diese Reise ist unser Weihnachtsgeschenk, ist plötzlich Bescherung, weil Liska und Lasse doch ein tolles Geschenk für Hans und mich haben. So lieb und so schön.