Dharan Al Janub und Wadi Lajab

Klettern durch das Wadi Lajab
Klettern durch das Wadi Lajab

Nach unserem Weihnachtsfrühstück fahren wir weiter durch die Berge und erreichen schon bald Dharan Al Janub, wo wir zwischen den Resten einer alten Stadt, die in traditioneller Lehmbauweise gebaut ist, spazieren und die Häuser und Türme in unterschiedlichen Zuständen sehen und erleben. Ein cooler Zwischenstop. Weiter geht's durch die großartige Berglandschaft, alles sehr steinig und ganz anders als die viel felsigeren Alpen, die uns allen doch besser gefallen. Aber diese Berglandschaft zu erleben ist trotzdem eindrucksvoll. Plötzlich die ersten Affen - Mantelpaviane. Männchen, Weibchen, Kinder, Babys. Wir sind unsicher, ob wir uns trauen, die Fenster aufzumachen, gar auszusteigen. Aber sie sind sehr scheu und laufen mit ihrer gesamten Herde sofort weg, wenn wir das Auto verlassen. Zum Glück! Gab schon genug Affenerlebnisse an anderen Stellen der Welt, die uns genug Respekt vor den Tieren verschafft haben.

Dreimal kommen wir an Kontrollpunkten vorbei, müssen unsere Pässe zeigen, werden aber jedesmal sehr, sehr freundlich und interessiert begrüßt und befragt. Einer, der ganz gut Englisch spricht, meint, wenn wir irgendeinen Service bräuchten, er sei da.

Wenige Kilometer hinter der letzten Kontrolle erreichen wir das Wadi Lajab. Kurz hinter der Einfahrt ragen die Wände schon viele Meter senkrecht nach oben, die Straße ist etwa 3m breit, eine irre Schlucht. Leider stirbt hier sehr schnell unser Plan, im Wadi auf einem Overlanderplatz zu übernachten, denn in regelmäßigen Abständen sind die Schilder, die das Campen hier verbieten, beim besten Willen nicht zu übersehen. Nach etwa 10min geht es nur noch zu Fuß weiter. Man kann flussaufwärts oder -abwärts laufen. Wir sind irgendwie deutlich zu unorganisiert. Lasse hat schon seit Stunden Hunger, eigentlich bräuchten alle was zu essen, wir wollen nur mal ein Stück flussaufwärts schauen, Badesachen und Handtücher mitnehmen oder erst gleich???? Familienchaos. Am Ende gehen wir ohne jede Ausrüstung, ohne Wasser, ohne Badesachen und so ist es zwar ein wirklich wunderschönes Wadi und wir klettern und kraxeln über viele Felsen und Steine, waten durch Wasser, Liska bouldert und bouldert sich die Wände entlang. Und irgendwann drehen wir halt wieder rum, ohne gebadet zu haben, aber auch ohne bis zu einer wirklich guten Stelle gekommen zu sein. Zwischendurch treffen wir einige Leute und Gruppen. Eine größere Familie mit zwei etwa zehnjährigen Mädchen sucht etwas den Kontakt, natürlich lassen wir wieder gemeinsame Fotos mit uns machen und die Mädchen sind voll stolz, dass sie "hello", "bye" und "nice to meet you" zu uns sagen können.

Zurück am Auto picknicken wir und mehrere andere Autos erreichen diesen Endpunkt der fahrbaren Straße. Fast alle fotografieren und filmen uns mehr oder weniger heimlich, manch einer kommt, um schnell ein Selfie mit Liska zu ergattern. Zu dritt - Lasse ist platt - laufen wir auch noch in den Arm flussabwärts. Auch hier ist es wirklich schön und es macht Spaß. Bevor wir wieder fahren können, um einen Übernachtungsplatz zu finden, gibt es erst noch eine Einladung zu Kaffee bei einer Gruppe Pakistani, nachdem wir das Lunch der Familie mit den beiden Mädchen abgelehnt hatten.

Affen sind inzwischen auch da und es ist super schön, sie einfach beobachten zu können, ohne Angst haben zu müssen.

Wir steuern einen alternativen Overlanderplatz an, der in einem völlig steinigen Flussbett liegt. Es ist absolut unmöglich, hier zu stehen oder gar ein Zelt aufzubauen. Guter Rat wird teuer. Ich google einfach mal "Camping in der Nähe" und finde eine Adresse und ein paar Bilder knapp 30min entfernt. Hans ruft dort an und erhält die Antwort "Yes, yes, yes - you can come!"

Große Erleichterung, keine Ahnung, was uns erwartet, nach einer guten halben Stunde erreichen wir ein riesiges arabisches Haus oben auf einem Berg, die Zufahrt geht durch ein halb geöffnetes Tor und dort werden wir schon von Abdullah und seiner Tochter erwartet. Er führt uns zu einem überdachten Platz mit zwei Sofas, das Feuer brennt schon ... mein Haus ist dein Haus, Camping ist noch nicht fertig, er hat einen room, aber keine Betten ... Alles kein Problem, wir können alle in dem einen Raum schlafen, eine Toilette gibt es da draußen auch, er hat ein Restaurant, holt Pizza, lädt uns ein, alles for free, weil er noch nicht fertig ist, er ist mit dem Fahrrad von Paris nach Frankfurt gefahren und hat da Camping kennengelernt, darum will er an seinem Haus Camping anbieten ... Während er die Pizza holt, sitzen wir am Feuer, kriegen Wlan, Tee und Kuchen ... welcome, welcome, welcome ... diese Gastfreundschaft ist unfassbar. Und wir können unser Glück, diesen Ort gefunden zu haben, gar nicht glauben. Hätten wir nicht vorher angerufen, hätten wir dieses Haus niemals als Campingplatz erkannt.

So schlafen wir dort zu viert nebeneinander und finden alles nur noch absurd und vollkommen crazy.