Ein Tag Urlaub auf Farasan

Camping in erster Reihe
Camping in erster Reihe

Den ganzen Tag chillen wir an unserem kleinen Strand. Vor dem Frühstück gehen Liska und ich baden und freunden uns vorsichtig mit diesem Meer an. Um nicht auf einen Rochen zu treten, schlurfen wir durch den Sand, müssen sehr weit laufen, bis das kristallklare Wasser Schwimmtiefe erreicht. Während des Frühstücks entdeckt Hans quasi direkt vor uns zwei wunderschöne blue spotted Rochen bei der Paarung, die wir eine ganze Zeit beobachten. Wir haben Angst vor der Sonne und bauen einen Schattenplatz mit dem Außenzelt von Liskas Zelt, einer Zeltstange, einer Holzlatte, der Kofferraumklappe des Autos und mehreren Sandheringen. Klappt gut und lohnt, auch wenn wir tatsächlich den ganzen Tag über viele Wolken haben und die Sonne zum Glück gar nicht so knallt. Wir planen den Rest unserer Reise, für die wir inzwischen zu wenig Tage übrig haben. Medina hatten wir bereits rausgestrichen, weil wir lieber die Einladungen annehmen wollten, als unsere komplette Route zu schaffen. Doch selbst ohne Medina wird die Zeit knapp. Es entstehen bereits erste Ideen über Jordanien kommend nochmal den Nordteil Saudis zu bereisen. Das Land ist riesig und hat so viel zu bieten. Das macht Lust auf mehr. Gleichzeitig genießen Liska und ich den Tag in kurzen Klamotten und ohne ständig angeguckt und fotografiert zu werden sehr. Lange Kleidung bei unter 10°C oder 15°C - well, who cares - aber knapp 30°C und langes Zeug, da hört der Spaß auf.

Wir gehen zu viert mit drei Masken und zwei Schnorcheln, von denen einer noch auf Kleinkinderlänge eingekürzt ist, schnorcheln und schwimmen, was voll schön, weil gemeinsam, ist. Viel zu sehen gibt es nicht. Später schwimmen Hans, Liska und ich nochmal raus und sehen ein paar bunte Fische mehr. Wir sind froh, diese alten Masken und Schnorchel eingepackt zu haben und genauso froh, kein Geld in neue in Jazan investiert zu haben. Für unseren Zweck sind wir perfekt ausgerüstet. Und so essen wir gemütlich diverses Obst, kochen Nudeln, genießen die Ruhe. Zwischendurch kommt mal ein Pickup mit wenigen Menschen und hält in Sichtweite. Als Hans gerade mal so richtig chillen will, fährt sich eine neue Pickup-Besatzung ein Stückchen weiter fest und Hans macht einen Bergungsbesuch mit unserem Spaten, kommt ins Gespräch. Ein Paar aus dem Sudan, sie natürlich schwarz verschleiert, die in Jazan leben und ihr Bruder, der in Kanada lebt. Ja, von unserem Strand schauen wir direkt Richtung Sudan und Eritrea - kaum vorstellbar. Die Bergung dauert, das Auto liegt mit der Achse auf dem Sand auf. Zwischendurch gehen Liska und ich helfen, können aber nicht viel ausrichten, fühlen uns genauso nutzlos, wie wir an vielen Stellen die saudischen Frauen erleben und sind uns einig, so nicht leben zu können und zu wollen.


Hans und ich haben unabhängig in den letzten Tagen öfter an den Ungarn gedacht, der mit dem Fahrrad von Schweden aus auf Weltreise gegangen war. Ihn haben wir in einem Wadi im Oman getroffen und uns ein bisschen mit ihm unterhalten. Da kam er gerade aus dem Iran und beschrieb, dass es ihm körperlich gut gehe und wie leer er sich mental fühle, weil der Iran ein so intensives Land sei. Mit unserer Erfahrung hier in Saudi kommen wir dahin, ihn viel besser zu verstehen und seine Aussage nachfühlen zu können. Und es ist mit Sicherheit noch viel krasser, allein und mit bike unterwegs zu sein als zu viert mit einem Auto. Trotzdem tut uns allen auch genau vor diesem Hintergrund dieser Tag total gut. 


Und wie schon im Sommer am Schwarzen Meer geht so ein Chilltag erstaunlich schnell zu Ende. Die Sonne geht unter, die Tage sind einfach nicht so sehr lang, ein bisschen sitzen wir noch draußen. Allmählich wird der Mond zum Spielverderber beim Sterne gucken und so zieht es uns doch bald ins Zelt.