
Heute Morgen sind wir wieder früh auf, der Himmel etwas bedeckt und baden mag keiner mehr, der Weg durchs flache Wasser ist zu weit.
Als wir bereits begonnen haben, einzupacken, kommen doch noch Offizielle. Da Liska und ich noch kurze Sachen anhaben, räumen wir weiter in den Zelten, bleiben unsichtbar. Allmählich beginnt es mich wütend zu machen, mich verstecken zu müssen bzw gar nicht in Erscheinung treten zu dürfen. Hans und Lasse sprechen mit den Officer, die erklären, dass Campen hier verboten sei. Aber da wir eh einpacken, sei es okay. Sie bleiben allerdings den Rest unserer Einpackzeit mit ihrem Wagen stehen und fahren erst, als auch wir losfahren.
Wir fahren um die Nordspitze der Insel, wo in einem kleinen Fischerhafen reges Treiben herrscht, wir aber auch direkt von einem Border Controll Posten angesprochen werden, was wir wollen.
In der Stadt kurven wir einfach ein bisschen durch die Straßen und Gassen, im Auto ist es schön kühl. Einige Gassen sehen mit ihren blauen Türen und arabischen Beschriftungen oder mit Bildern gestaltet, malerisch aus.
In einem kleinen Supermarkt kaufen wir Bananen und Eis, man freut sich wiedermal über uns und wir bekommen so komische Früchte geschenkt, von denen uns ein Araber die lateinische Umschrift des arabischen Wortes zeigt: nakhal dom - womit wir genauso schlau sind wie vorher. Die Frucht ist außen irgendwie hölzern und sie beißen die oben auf und essen dann irgendwie weiter. Da die Frauen das hinter ihrem Schleier tun, sehen wir nicht, wie das geht. Ich hatte bei meinen ersten Versuchen nur Holzsplitter im Mund.
In einer Pharmazie, die eher ein DM Markt ist, wollen Liska und ich neue Sonnenmilch und Zahnpaste kaufen und stöbern durch den Laden. Nach kurzer Zeit bringt mir ein Mitarbeiter einen Korb. Als wir beides haben, bietet uns der Apotheker noch Bodylotion, Shampoo und Parfum an. Ich hoffe, es ist kein Wink mit dem Zaunpfahl, wobei ich mich tatsächlich noch nie auf einer Reise so lange so dreckig gefühlt habe wie hier.
Das ottomanische Fort ist - sagen wir mal - sehr bescheiden, auch wenn bereits der berühmte Zaun eines Unesco Weltkulturerbes drumherum steht.
Wir finden den Fischmarkt. Lauter kleine Läden mit nichts außer einem Verkäufer, einer Kühltheke und Fisch. Und wir finden einen Laden mit einer Küche. Der Mann erklärt uns auf Arabisch, wir können irgendwo Fisch kaufen und er bereitet ihn zu. Lasse wird zur treibenden Kraft und er und Hans erstehen einen recht großen Fisch, den Hans als Snapper identifiziert. Die Makrele gibt es als Geschenk obendrauf. Im anderen Lokal wird der Fisch liebevoll zubereitet und in den Ofen geschoben. 20min später haben Lasse und Hans eine beilagenfreie große Fischportion auf Alufolie angerichtet - lecker und eine wirklich coole Aktion, von der auch die kleinen, extrem dünnen Katzen, die dort herumlaufen, profitieren.
Anschließend fahren wir - im Regen!!! - in den Hafen und sind das fünfte Auto in der Waiting Line. Die Spur derer, die ein Ticket haben, wird immer voller und mit Beginn des Bordens beginnt meine Zeit des Sterbens, weil meine Sorge immer größer wird, dass wir nicht auf das Schiff passen, noch länger auf Farasan bleiben müssen und uns von der sowieso schon knappen Zeit noch welche verloren geht. Für heute Abend haben wir ein Hotel in Jazan gebucht, damit wir nicht im Dunkeln aus der Stadt rausfahren und Stellplatz suchen müssen. Das Hotel müssten wir auch bezahlen, wenn wir auf Farasan stecken bleiben.
Es ist eine absolut Horror spannende Stunde, weil überhaupt nicht absehbar ist, wieviele Autos feste Tickets haben. Immer wenn wir mal glauben, hinten das Ende der Schlange zu sehen, kommt wieder einer. Irgendwann beginnt ein Offizieller in der Waitingline die Tickets zu kontrollieren. Hoffnung. Aber es bleibt bis zum Schluss schrecklich, einfach nur schrecklich. Ich kann die Spannung eigentlich nicht mehr aushalten. Dann dürfen vor uns die ersten beiden fahren, die nächsten beiden auch und schließlich auch wir. Mir stehen fast die Tränen in den Augen vor Erleichterung. Lasse, Liska und ich steigen aus, gehen zu Fuß durch Pass- und Sicherheitskontrolle und aufs Schiff und Lasse amüsiert sich über meine hohe Emotionalität.
Zurück in Jazan steuern wir nur noch auf direktem Wege unser Hotel und die damit verbundene Dusche an. Das anschließende Gefühl von Sauberkeit ist unbezahlbar - und wird nur von kurzer Dauer sein. Also genießen wir es umfassend.
Auch ein normales und sauberes Klo führt zu ungeahnten Glücksgefühlen. Die öffentlichen Toiletten sind fast immer Hockklos und natürlich ohne Papier stattdessen mit Dusche. Und den Spaten kriegt man nicht überall in die Erde ...
Zum ersten Mal wirklich im Dunklen fahren wir zu einem Restaurant und die Atmosphäre in der Stadt ist total verändert. Die arabischen Lichterschriften überall, Menschen auf der Straße, Leben...
Das Restaurant ist super, die Kellner total nett und hilfsbereit, wir werden pappsatt.
Die Rückfahrt durch das dunkle Jazan dauert was länger. Google Maps kennt Straßen, die es in der Realität nicht gibt und so landen wir in den Bronx der Stadt. Die Gassen werden immer kleiner, die Behausungen immer improvisierter, Männer, Kinder auf der Straße und wir fahren mit unserem Auto mitten durch und haben keinen Plan mehr, wie wir wieder rauskommen sollen. Als wir erleichtert wieder die große Hauptstraße unter den Rädern haben, fühlen wir uns doch wohler und schlafen die Nacht gut in einem echten Bett.
