
Die Nacht ist eiskalt, zu kalt. Die Rettungsdecke kommt über den dicken Schlafsack, unter dem wir im Daunenschlafsack liegen. Morgens haben wir Eis auf der Autoscheibe.
Wir frühstücken früh in den ersten Sonnenstrahlen und entscheiden, die schnellere Küstenstraße nach Jeddah zu nehmen statt über Al Baha und Ta'if in den Bergen zu bleiben, um möglichst noch heute Jeddah zu erreichen.
Dafür lassen wir uns an diesem schönen Platz noch etwas Zeit, Liska und Hans gehen bouldern, Lasse und ich bleiben am Platz, wo ich den Blog aktualisiere und die fehlenden Tage schreibe.
Als alles eingepackt ist, verabschieden wir uns von Luka und Rahel und fahren nach Al Namas zu einem vollkommen skurrilen Palast, der ein "Museum" - eigentlich eine gigantische Sammlung von Zeug unter Glasvitrinen - beherbergt. Das wichtigere ist jedoch das riesige Gebäude mit seinen Türmchen und Kugeln und zahlreichen bunten Nebengebäuden mit Säulen und Spitzen. Zum ersten Mal auf dieser Reise zahlen wir so etwas wie Eintritt, um innen die unteren beiden Etagen besichtigen zu dürfen. Am meisten beeindruckt das runde, bunte Treppenhaus.
Ein Stück hinter Al Namas beginnt eine absolut spektakuläre Straße durch den südlichen Hejaz. Schließlich müssen wir von 2400m wieder runter auf Meereshöhe, von 17°C auf 30°C. Die Straße ist so steil und so eng, dass sie für LKW und Trucks verboten ist. Außer uns ist zum Glück so gut wie niemand unterwegs und wir schrauben uns durch die Spitzkehren mit immer wieder neuen fantastischen Ausblicken über die Berge.
Die Küstenstraße ist nicht sonderlich attraktiv, sieht man doch kaum einmal das Meer - stattdessen flache Einöde und Wüste. Die Fahrt wird lang, wir haben Hunger und finden in Makha ein kleines ägyptisches Restaurant. Fünf Araber stehen hinter einer Glastheke und sind total bemüht, uns zu bedienen. Einer kann etwas Englisch. Sie zeigen uns die Fleischspieße und lassen uns in die Töpfe schauen, einmal mehr eine ziemlich chaotische und langwierige Bestellung.
Leider gibt es keine Toilette. Doch der etwas Englisch sprechende Ägypter nimmt Lasse und mich mit hinter den Block, in dem das Restaurant ist und wir steigen über Steine, Sand, Unmengen Müll und glauben, er bringt uns zur Toilette seines Privathauses, eine Baracke mit gefließtem Vorbau ohne Dach, drei Türen, hinter einer das Hockklo und die Waschmaschine. Weit besser als kein Klo und total nett.
Das Essen ist viel und lecker und teilweise leider zu scharf. Doch gut gestärkt und um eine Erfahrung reicher fahren wir weiter und sind inzwischen sicher, es heute bis Jeddah zu schaffen.
Ein kleines bisschen sehen wir das Meer zum letzten Sonnenuntergang des Jahres und erreichen das Großraumgebiet von Jeddah im Dunklen mit einem irren Verkehrschaos. Es ist unglaublich schwierig, den richtigen Weg zu finden und Hans meistert dieses Chaos, in dem wir auf einer vierspurigen Straße in eine Richtung noch auf dem Standstreifen von Autos überholt werden und es ist nie so richtig klar, wie viele Spuren es offiziell eigentlich gerade gibt. Ein falsches Abbiegen verschafft uns eine kleine Stadtrundfahrt, doch am Ende erreichen wir unser Hotel, das wir uns doch etwas anders vorgestellt und gewünscht hätten. Gemessen an unserer schönen Nacht in Jazan landen wir hier in einer Absteige. Es gibt auch keinen Parkplatz, obwohl es bei booking anders gestanden hat. Das Problem wird originell gelöst. Wir zahlen 100SAR für zwei Tage parken und lassen den Autoschlüssel an der Rezeption. No worries about the car. Jetzt scheint ständig jemand unser Auto umzuparken, wenn jemand in die Einfahrten will oder ein Parkschein kontrolliert würde oder oder oder. Frühstück ist inbegriffen, wir müssen morgen früh in der Küche anrufen, es wird dann aufs Zimmer gebracht. Ohjeee.
Obwohl wir alle völlig platt sind, raffen wir uns noch auf, in die fußläufige Altstadt, Al Balad zu gehen. Was eine gute Entscheidung! Wir haben noch einen wunderbaren Abend in den engen Gassen, die im Grunde ein einziger Suq sind. Es ist unglaublich lebendig und authentisch. Auch wenn es auch hier viele, viele Frauen in Schleierhaft gibt, ist die Kleiderordnung lockerer, das Leben direkt mit. Liska und Hans kaufen sich einen Corn on the cob vom Schubkarrengrill, Lasse später eine Art Käsecrepe an einer Holzbude, wir alle trinken einen Mangojuice und ziehen durch die Gassen, schauen und staunen und werden bestaunt. Eine tolle Atmosphäre, die uns auch mit unserem Hotel versöhnt, denn die Lage ist einfach perfekt.
Silvester erleben wir nicht mehr wach. Deutlich vor Mitternacht fallen wir in klimatisierten Schlaf.
