Jeddah

Al Balad by night
Al Balad by night

Gut geschlafen bestellen wir per Telefon das Frühstück und möchten gern Kaffee und Tee. No coffee, no tea, only orangejuice. Fängt ja gut an. Wir haben Tassen und Wasserkocher auf den Zimmern, aber nur Tee, besser als nix. Am Ende holt Hans unseren eigenen Käse, Nutella und unser Equipment aus dem Auto und filtert unseren eigenen Kaffee. Dann bekommen wir zwei Tabletts mit allen möglichen Proben und kleinen Portionen von Essen und Brot. Gar nicht so schlecht, aber schon irgendwie kurios.


Anschließend planen wir unseren Jeddahtag.

Wir fahren mit dem Auto nach Norden an den nördlichsten für uns interessanten Punkt der 100 Kilometer langen Corniche, parken und laufen die wirklich saubere, schön und modern gestaltete Promenade mit ihrer Grünanlage nach Süden. Im klaren Wasser des Meeres sehen wir immer wieder zahlreiche Fische, an einer Stelle sogar kleine Haie. Lustig. An der Corniche sehen wir weit mehr Fische als beim Schnorcheln auf Farasan.

In der Grünanlage unter den Bäumen sitzen überall Gruppen von Menschen beim Picknick. Viele Araber mit verschleierten Frauen, aber auch viele vermutlich Muslime anderer Nationen und Touristen, deren Herkunft wir nicht ausmachen können, die Kleiderordnung deutlich entspannter.

Liska und ich erstehen eine Zehnerkarte für die Toiletten an der Corniche. Erst war uns das ja zu doof, dann blieb uns im Grunde nichts anderes mehr übrig. Acht bezahlte Toilettenbesuche bleiben nun wohl unbenutzt.


Es ist total heiß und wir suchen immer wieder den Schatten. Irgendwann drehen wir rum, laufen zum Auto zurück und fahren ein ganzes Stück die Corniche nach Süden. Dort gehen wir in einem super netten Restaurant sehr lecker essen und begrüßen offiziell das neue Jahr.


Am Jeddah-Schriftzug machen wir die obligatorischen Fotos, aber man darf die Buchstaben nicht berühren. Der Wachmann fragt, wo wir her sind und zeigt uns stolz seinen BMW-Schlüssel. BMW ist die weit schönere Assoziation als der Mann vor dem Hotel, der begeistert von uns als Deutsche ist und Hitler lobt. Beide Erfahrungen lassen uns noch einmal neu auf unsere gestrige Diskussion schauen, ob Nationalstolz eine Berechtigung haben kann.


Ein drittes Mal fahren wir ein Stück und laufen noch durch den kleinen Skulpturenpark, wo die Skulpturen zahlreicher namhafter Künstler stehen. Zur Moschee kommen wir nicht, uns trennen Wasser und Bauzäune. Doch auch so ist es schön, sie anzuschauen.


Anschließend fahren wir zurück zum Hotel, geben unseren Autoschlüssel wieder ab, damit das Personal das Parkspiel weiter spielen kann und machen eine längere Pause.


In der Dämmerung ziehen wir erneut los Richtung Altstadt und erleben einen zweiten tollen Abend dort. In einem Café sitzen wir eine ganze Zeit draußen und schauen auf einen der zentralen Plätze. Es ist so gemütlich und gibt so viel zu sehen. Wir haben den Eindruck, heute sind mehr westliche Touristen hier als gestern und fragen uns, ob Kreuzfahrtschiffe Jeddah anfahren. Wir beginnen zu raten, wo diese offensichtlich nicht hierher gehörenden Menschen wie wir wohl her sind und haben großen Spaß dabei. Das Spiel geht auch weiter, als wir wieder durch die Gassen ziehen. Hans beginnt dann, die Leute anzusprechen. Ein Paar, bei dem wir auf osteuropäisch getippt hatten, kommt aus Russia, lebt aber in Georgia.

Mit einem frischen Saft sitzen wir auf einer Treppe, schauen und raten und Hans deckt die Lösung auf. So kommt er mit Schweizern ins Gespräch, die wir für Deutsche gehalten hatten, Liska fotografiert eine Drei-Generationen-Familie aus den USA.

Zwei Männer in Shorts, einer mit Flip Flops sind Australier und Niederländer... eine Gruppe ist eine unfreundliche Mischung aus Deutschen, Briten und Libanesen. Manches haben wir ganz gut eingeschätzt, bei vielem lagen wir aber auch sehr daneben.

Auf jeden Fall war es ein toller Abend und es ist richtig schön, dass wir einfach zu Fuß zu unseren Betten bummeln können.