
Hans und ich sind früh auf und genießen den Morgen mit Kaffee und Blick in den Krater. Ich könnte gut noch einen Tag und eine Nacht bleiben, aber wir entscheiden uns, weiterzufahren. Am Parkplatz lernen wir jedoch erst noch Martin und Maria aus der Schweiz kennen, die seit sechs Monaten mit ihrem Bimobil unterwegs sind. Wir fragen die beiden, ob sie wissen, ob die Angabe unseres Reiseführers stimmt, dass man ohne einen Geländewagen nur bis 18 Kilometer vor Edge of the World fahren kann. Denn das wäre echt tragisch. Dieses Highlight wollen wir unbedingt sehen und erleben. Unsere eigene Recherche hat ergeben, dass es eine new Road to the edge gibt, aber so richtig schlau sind wir aus dem, was wir gefunden haben, nicht geworden. Wir quatschen sofort super nett mit Martin und Maria, die ziemlich überzeugt sind, dass wir mit unserem Auto hinfahren können. Selbst waren sie auch noch nicht dort, sind aber quasi auch auf dem Weg. Fast schade, dass wir uns von ihnen so schnell wieder verabschieden müssen.
Die Fahrt ist landschaftlich deutlich abwechslungsreicher als gestern.
Wüste in unterschiedlichen Farben, Dünen, Berge, Kamele, Esel, Städte, Orte, arabische Schrift, arabischer Straßenalltag. Tolle Felsen, die zum Anhalten und Bleiben einladen, aber viel zu früh - also weiter. Es gilt, Kilometer zu machen, Liska Edge of the World zu ermöglichen, bevor sie zwei Tage früher als wir anderen drei zurück fliegen muss.
Nachdem wir die schönen Felsen rechts liegen lassen mussten, wird unser Anspruch an einen Pausenplatz zu hoch. Nirgendwo finden wir etwas Geeignetes und fahren am Ende viel weiter, als wir eigentlich wollten - zu einem Overlanderplatz, der den viel versprechenden Namen "Boulder Camp" trägt. Als wir diesen Platz unweit des Highways erreichen, haben wir so einen Hunger, dass wir quasi aus dem Auto springen, einen halbwegs geschützten Platz wählen und in einer genialen Teamleistung schnellstmöglich Nudeln mit unterschiedlichen Saucen kochen, da die Träume von Essen verschieden sind. Selten haben Spaghetti Aglio i Olio so gut geschmeckt, was Liska über Tomatensauce und Hans und Lasse über Tomaten-Tonno-Sauce sicherlich auch sagen würden. Lasse und ich hatten bereits Kopfschmerzen vor Hunger.
Im Sturm und im Spiel von Mondlicht und Wolken müssen wir die Zelte aufbauen und kein Hering geht in den Boden. Liska und Lasse stellen ihr Zelt hinter einen dicken Felsbrocken, der etwas Schutz bietet, Hans und ich sind dem Sturm voll ausgesetzt. Dicke Steine auf den quergelegten Sandheringen und schwerer Inhalt in Form von mir stabilisieren das Zelt ausreichend. Mit unserem Auto bauen wir noch geringfügig verbesserten Windschutz. So langsam vermisse ich nicht nur schmerzlich das Dachzelt, sondern auch den noch nicht vorhandenen Camper. Es wird wirklich Zeit für Veränderung.
Die ganze Nacht tobt und rüttelt der Sturm an unserem Zelt, trotzdem schaffen wir es zwischendurch auch zu schlafen.
