
Nach der viel versprechenden WhatsApp von Maria kommen die Lebensgeister zurück.
Wir kaufen schnell noch Wasser ein, hätten gern Gemüse, aber außer Tomaten und Zwiebeln gibt es nichts.
Schließlich biegen wir Richtung Sadus ab und kurz vor der Stadt steht ein Schild, das nach rechts weist: New Road to Edge of the World.
Schild, Straßen und Google Maps verwirren uns, doch wir erreichen ein graues Schotterband, das sich durch die hier braune Wüste zieht. Wir fahren genau der tiefstehenden Sonne entgegen und unsere Windschutzscheibe ist so verschmiert, dass ich schlichtweg gar nichts sehe, während Hans von Liska navigiert, stets die richtige Spur suchend mit der richtigen Geschwindigkeit über das Wellblech brettert. So stellt man sich die letzten 18 Kilometer zur Kante der Welt, zum Ende der Welt vor.
Wir erreichen die ersten Schilder, die deutlich sagen, dass Autos darüber hinaus verboten sind. Da dort trotzdem Autos sind, fahren auch wir weiter. Nach etwa dem dritten Schild erreichen wir einen "Parkplatz", wo zahlreiche Geländewagen und auch der Overlander von Maria und Martin stehen. Wir parken und machen uns auf den Weg zur Edge im wunderbar warmen Licht der allmählich untergehenden Sonne. Schon auf dem Weg ist der Blick rechts und links unfassbar schön und die Kante zieht sich kilometerlang. Das Gesamtbild erinnert von den Formationen sehr an den Grand Canyon, ist nur lange nicht so tief.
Vorne angekommen bin ich überwältigt, es übertrifft meine Erwartungen deutlich - auch wenn hier jetzt mal wirklich viele Menschen, Touristen aus unterschiedlichsten Ländern rumlaufen, die verschiedenen möglichen Gipfel, Aussichtspunkte, Nasen, Türme besteigen und ohne die kein einziges Foto möglich ist. Gleichzeitig ist es auch gut, dass sie da sind, denn nur im Größenvergleich wird deutlich, wie gigantisch groß und hoch dieses Wunder ist. Leider haben wir keine Ahnung, wo wir hier übernachten können und im Dunklen was suchen und finden könnte richtig ätzend werden. So haben wir nicht die Ruhe, bis zum vollständigen Sonnenuntergang zu bleiben, nicht die Ruhe, uns irgendwo hinzusetzen und all das umfassend zu genießen und aufzunehmen. Hans und Lasse drängen zum Gehen, Liska und ich sind total traurig. Wir treffen Martin und Maria, die wohl einfach dort, wo sie stehen, stehen bleiben wollen, wenn sie dürfen und sie bieten uns ihren Windschatten an.
Hans fragt einen Guide, ob wir da oben am Parkplatz zelten dürfen, was dieser klar verneint. Wir müssten 40 Minuten zurückfahren, dort gebe es die erste Möglichkeit.
Damit wollen Liska und ich uns auf keinen Fall zufrieden geben.
Wir gehen zurück zum Auto und überlegen, was wir tun. Am letzten Schild vor der Kante steht ein Polizeiauto. Wir hoffen, dass es wegfährt, wenn all die Guides mit ihren Touristen weggefahren sind. Doch dann beschließen wir nach Absprache mit Martin und Maria möglichst geschickt die Polizei zu fragen, ob staying overnight möglich sei, dabei den Anschein zu erwecken, wir meinen das Bimobil und auf keinen Fall offenzulegen, dass wir auch noch zwei Zelte aufschlagen wollen. Hans fragt, Liska und ich machen die traurigen, verzweifelten Begleitfrauen. Und dann passiert Erstaunliches. Hans fragt und die Antwort ist sofort und ein vollkommen eindeutiges "Yes, no problem". Ohne irgendwelche Ausführungen oder gar weitere Fragen bedanken wir uns schnell, gehen und machen Luftsprünge vor Freude.
Den Zeltaufbau verschieben wir trotzdem sicherheitshalber, kochen erstmal und ziehen alles an, was wir haben, denn es ist kalt und der Wind noch kälter - trotz des Schutzes durch den Camper und unser eigenes Auto.
Liska ist so kalt, dass sie die Einladung von Maria und Martin annimmt, sich im Camper aufzuwärmen. Ich frage einfach mal ganz blöd, ob die beiden zufällig Zahnärzte seien. Maria schaut mich an und sagt, heute scheint euer Glückstag zu sein. Martin ist Zahnarzt. Wir lachen uns schlapp angesichts dieses Zufalls und der kuriosen Situation. Liska bekommt also nicht nur die Möglichkeit, sich aufzuwärmen, sondern direkt noch eine Untersuchung, einen Behandlungsplan und die notwendige Medikation.
Nur die Polizei verlässt ihren Posten nicht. So landen auch Hans und ich im Camper und wir verbringen eine schöne Zeit mit den beiden Schweizern.
Ein Zelt hatte Hans während des Kochens aufgebaut, das andere bauen wir mit Martins Hilfe zu fünft auf und spannen es auch hier mit Steinen auf quer gelegten Heringen gut genug ab. Die Polizei lässt uns komplett in Ruhe, es ist nur irgendwann Schichtwechsel. So schlafen wir gut behütet und bewacht von allen Seiten an diesem magischen Ort und freuen uns, ihn am nächsten Tag noch intensiv erleben zu dürfen.
