
Die Nacht ist saukalt, es stürmt durchgehend und wir werden von Sand bestäubt wach.
In einer windgeschützten Ecke zwischen dicken Felsen, wo die wärmende Sonne uns trotzdem erreicht, frühstücken wir.
Danach beginnt der "mal eben noch da hoch" Aufstieg auf den dicken Felsen, der sich als wesentlich steiler, wesentlich höher und an manchen Stellen wesentlich schwieriger gestaltet, als "mal eben" gedacht. Es wird eine 3,5 free solo, wobei das Hochsteigen und -klettern Spaß machen, wenn ich nicht ständig die Frage im Kopf hätte, wie wir da wieder runterkommen sollen. Oben haben wir eine tolle Aussicht in alle Richtungen und unser Auto ist ganz schön klein.
Wieder unten packen wir ein und sind arg ernüchtert, dass Google Maps behauptet, wir bräuchten immer noch 4 Stunden bis zur Edge of the World, obwohl wir doch gestern so viel weiter gefahren waren, als wir ursprünglich wollten. Hilft nix - weiter geht's.
Weiterhin Wüste, Kamele, Ortseingangstore, schön gestaltete Kreisverkehre, Moscheen, die aber weit weit weniger sind als im Oman, auch den Muezzin hören wir kaum mal.
Es könnte langweilig sein, ist es zuweilen auch, aber wir haben ein neues medizinisches Thema. Liska hat dick geschwollenes, schmerzendes Zahnfleisch, Kamistad und Ibu schaffen seit drei Tagen keine Besserung. Wir stören erneut Sven Hower, der uns sofort mit Rat und Tat per WhatsApp zur Seite steht und besonders mir ein Gefühl von Sicherheit verschafft. Über meine Sammlung von vier Antibiotika, von denen zwei 2020 und 2021 abgelaufen sind, schlägt er lachend die Hände zusammen. Eigentlich wollte ich sie vor der Reise aussortieren, dachte dann aber, im Ernstfall sei ein abgelaufenes Antibiotikum sicherlich besser als gar kein Antibiotikum.
In einem Ort fahren wir ein indisches Restaurant an, dass sich als neues, sehr sauberes Fastfoodrestaurant herausstellt, aber nichts Vegetarisches hat. Hans und Lasse werden hier glücklich, direkt nebenan gibt es in einem ähnlichen neuen drive through Ambiente Halloumi-Pies für Liska und mich. Dazu ne Bibsi, womit die arabische Umschrift zurück übersetzt Pepsi meint.
Irgendwann sehen wir einen Mann auf dem Mittelstreifen und rechts steht ein Bimobil - Martin und Maria.
Während einer Pinkelpause überholen sie uns zurück. Eine ganze Zeit später bekommen wir eine WhatsApp von ihnen, dass die Straße zur Edge zwar Wellblech sei, aber gut fahrbar bis zum Ende.
Das macht Mut!
