
Die Fahrt nach Riyadh ist zunächst recht entspannt. Wir merken deutlich, dass alles ordentlicher, sauber, wohlständiger wird - und allmählich großstädtischer. Auch der Verkehr. Liska navigiert Hans durch den alltäglichen Wahnsinn arabischer Verkehrsführung, arabischer Verkehrsvorschläge, denn von Regeln kann man hier kaum sprechen, und arabischer Fahrstile, die Suizidkommandos gleichen. Hans und Liska haben meinen vollsten Respekt, ich sterbe auf der Rückbank. Fünf bis acht Spuren in eine Richtung, plötzlich hört einfach eine auf oder auch zwei, will man vorwärts kommen, hilft nur fahren, niemals warten oder jemanden reinlassen, kräftig hupen hilft bei allem, vor allem die Nerven zu bewahren, wenn die Ampel grün wird und trotzdem keiner fährt. Geht es jemandem zu langsam, eröffnet er iwo einfach eine neue Spur, überholt rechts oder links, obwohl eigentlich kein Durchkommen ist. Hinzu kommt, man kann selten auf eine größere Straße links abbiegen - auch als Saudi nicht - weil die Richtungen durch Mauern deutlich getrennt sind. Dann muss man unter Umständen mehrere Kilometer in die falsche Richtung fahren, bis die offiziell ausgeschilderte Möglichkeit des U-Turns kommt. So steht man dann erst in die falsche Richtung im Stau, nach dem U-Turn in die richtige Richtung. Da es manchem zu weit bis zum U-Turn ist, kommt einem halt auch manchmal einfach einer entgegen. Wirklich sicher ist man vor nichts. Sperrflächen, rot blinkende Ampeln, Linksabbiegerspuren - wen interessiert's. Jeder ist sich selbst der Nächste, Lücken werden gnadenlos zugefahren. Dabei daddelt jeder Saudi am Handy. Darum ist es gut, wenn zwischendurch kräftig gehupt und die Aufmerksamkeit kurz zurück auf die Straße geholt wird. Es ist absoluter Wahnsinn!
Zu Anfang hatte Liska einige Male gesagt, wenn irgendwas nicht eindeutig oder zu spät war, Papa, mach es einfach wie die Saudis.
Nach und nach ist Hans immer mutiger geworden, fährt in diesem Chaos, das stets neue unerwartete Überraschungen bereit hält, souverän mit. Liska zollt ihm vollen Respekt mit den Worten, Papa, du bist ein guter Saudi!
Auch heute erreichen wir am Ende unbeschadet - abgesehen von meinen Nerven - unser Hotel. Ein Paradies. Beim Einchecken fühlen wir uns wie Crocodile Dundee. Wir sind wirklich schon viel und abenteuerlich gereist, keine Frage. Aber so staubig, so dreckig, so vertrocknet, die Lippen wund und offen, haben wir uns, zumindest ich mich noch nie auf einer Reise gefühlt. Vermutlich bin ich auch tatsächlich noch nie so dreckig und staubig und verwahrlost gewesen. Die Dusche ist ein Traum, das weiche Handtuch auch. Und ein echtes, richtiges Klo. Irre, wie dankbar man werden kann für Dinge, die in unserem Alltag so normal sind. Der Begriff, die Aussage, ich fühle mich wie neugeboren, bekommt einen neuen Stellenwert. Vielleicht ist Tourist sein manchmal doch gar nicht so schlecht. Wir fallen früh ins BETT und nach zwei Minuten sagt Hans, ich vermisse die frische Luft. Ja, alles, wirklich alles hat zwei Seiten und jede Entscheidung ihren Preis.
