
Den Rest des Vormittags chillen wir mehr oder weniger. Wir haben Zeit, sitzen lange mit Martin und Maria zusammen, überlegen, planen, wie wir weitermachen, wo wir die nächste Nacht verbringen, was wir noch sehen wollen. Lasse möchte auf keinen Fall noch eine Nacht so exponiert stehen, gleichzeitig finden wir nicht so richtig eine Alternative. Morgen müssen wir zurück nach Riyadh und Liska in der Nacht zum Flughafen bringen. Da werden wir wohl nochmal im Hotel übernachten, allein schon, damit Liska vor ihrem Flug nochmal duschen kann.
Lasse plädiert für vier Nächte Hotel. Er ist einfach platt von all den Erfahrungen und Erlebnissen. Und ich bin es auch. Schon seit Tagen. Immer wieder habe ich fiese Kopfschmerzen, mein Körper sendet eindeutige Signale der Überforderung.
Wir überlegen hin und her und her und hin.
Hans möchte auch unbedingt nochmal vorne zur Edge, Liska und ich begleiten ihn. Auch jetzt beim dritten Mal ist es toll, immer noch sind wir hier alleine mit Martin und Maria (und der Polizei). Da stört der australische Qatar-Airlines Pilot, der mit seinen beiden Söhnen quasi im Dauerlauf die Kante erledigt und sich wahnsinnig freut, als ich in seinem Stress noch ein gutes Foto von ihm und den Jungs schieße, fast schon.
Wir genießen auch noch diese Zeit hier vorne. Doch der Weg ist weit und anstrengend, und Liska und ich sind uns einig, zum Sonnenuntergang mit den ganzen Touristen und ihren Guides laufen wir nicht ein viertes Mal hierher.
Irgendwann schlägt Hans vor, die letzten vier Nächte wirklich ins Hotel zu verlegen und einfach noch ein bisschen Urlaub zu machen. Einerseits widerstrebt es mir völlig. Es fühlt sich an wie Abbruch des Abenteuers Saudi Arabien. Wie der Wechsel von Reisenden zu Touristen. Andererseits bin ich im Grunde seit Tagen überfordert von diesem Land, was Lasse mir eindeutig spiegelt. Vielleicht ist das die vernünftige Lösung. Erholung, bevor wir zu Hause wieder Alltag leben werden. Einen würdigeren Ort für das Ende dieses wahnsinnig intensiven, eindrucksvollen und interessanten Abenteuers können wir nicht finden. Es gibt nichts, was wir in der verbleibenden Zeit noch gut erreichen könnten, um es auch noch zu erleben. Die Entscheidung fällt. Wir fahren zurück nach Riyadh und erholen uns in diesem Moloch.
Lasse kann bei der Verkündung der Entscheidung gar nicht glauben, dass wir endlich zur Vernunft gekommen sind. Unter widrigen Umständen und mit extrem wenig Netz buchen wir ein Hotel. Es ist voll schade und gleichzeitig spüre ich die damit verbundene Erleichterung.
Martin und Maria ziehen auch weiter - mit einem Teil unserer Vorräte, die wir nun nicht mehr brauchen. Wir verabschieden uns herzlich und wer weiß, wo auf der Welt wir sie eines Tages wiedertreffen werden.
Wir kochen erst noch, packen in Ruhe zusammen und wohl tatsächlich ein letztes Mal die Campingausrüstung ein.
Dann geht es über 18 Kilometer Wellblech zurück in die saudische Großstadtrealität.
