
Morgens genießen wir ausgiebig das Frühstück im Hotel. Liska packt und anschließend ziehen wir los - zu Fuß, das Auto hat frei. Wir wohnen in Al Oyala, ein ganzes Stück weiter nördlich als vor drei Wochen, nahe am Kingdom Tower und der damit verbundenen Mall. Liska wünscht sich zum Abschluss eine Turmaussicht, weswegen unser erstes Ziel eben dieser Kingdom Tower ist. Die Mall ist mehr oder weniger Baustelle, trotzdem schick anzusehen und nicht unser Ziel. Wir finden raus, wie man die Tickets für die Skybridge bucht und wählen einen Slot ab 17 Uhr zum Sonnenuntergang.
Bis dahin laufen wir in diesem weit schickeren Stadtteil mit seinen wenigen "Wolkenkratzerchen" herum und uns geht es gut mit unserer Entscheidung. Mittags gehen wir in einem italienischen! Restaurant was essen, später trinken wir an einem ganz netten Platz einen Kaffee. Beschaulich so ein Touristenleben, alles jederzeit verfügbar, ohne jeden organisatorischen Aufwand - allerdings deutlich teurer. Zu früh wieder am Tower gibt's noch einen Saft zwischen zahlreichen schwarzen Saudifrauen ohne Gesichtsschleier, dafür alle massiv aufgebrezelt und alle mit aufgespritzten Schlauchbootlippen. Erstaunlich widersprüchlich und doch irgendwie ins Bild passend. Dies Frauenbild, das uns hier nun seit drei Wochen begegnet und begleitet, macht ratlos, und ich merke, wie es mir zunehmend total auf den Geist geht. Ständig angeguckt und fotografiert zu werden ist das eine, ständig auf ausreichend korrekte Kleidung zu achten das andere. Irgendwie ist es immer falsch und ich spüre eine ständig wachsende Aggressivität bezüglich des saudischen von Männern erzwungenen Frauenbildes.
Wir fahren pünktlich auf die Skybridge des Kingdom Tower, wo erstaunlich wenig los ist. Es gibt keinen offensichtlichen Grund für Timeslots. Vermutlich träumen die Saudis vom Andrang eines Eiffelturms oder eines Burj Khalifa. Von oben genießen wir die Aussicht über die Stadt und haben so ein schönes gemeinsames Erlebnis zu Liskas Abschied. Vom Sonnenuntergang sehen wir allerdings nichts, da die Bridge in Ost-West-Ausrichtung ist. Und von hier oben erkennt man nochmal deutlich, wie mickrig die Skyline dieser Stadt ist. Allerdings gibt wohl der Untergrund kaum höhere Gebäude her und für den 300 Meter hohen King Tower mussten schon besondere Betonfundamente geschaffen werden. Und auch die wenigen hohen Türme und Gebäude sehen von hier oben winzig aus.
Den Verkehr von oben zu beobachten macht Spaß. Auch wie nach und nach die Lichter angehen und die Stadt zu einem vermeintlich anderen Leben in Dunkelheit erwecken, ist schön anzusehen.
Nach einer guten Stunde reicht es, wir fahren runter und laufen zurück zum Hotel, wo wir ein bisschen schlafend die Zeit totschlagen, bis wir um 23 Uhr Liska zum Flughafen bringen. Ein letztes Mal navigiert Liska Hans durch den Verkehr, der auch jetzt noch anstrengend ist. Parken am Airport ist einfach und wir können Liska zum Check-In und bis zur Ausreise kurz vor der Sicherheitskontrolle begleiten. Irgendwie fühlt es sich falsch an, nicht gemeinsam zurückzufliegen und als vollständiges Team die Reise zu beenden. Schade. Umarmungen, Abschied, Winken.
Lasse übernimmt souverän die Rolle des Navigators und gegen 1 Uhr erreichen wir unser Bett.
